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Dithmarscher Luftsportverein e.V. - 1950 - 2008

Menschen und Flugzeuge im Lauf der Zeiten

Wozu man einen Sparverein braucht

Prolog

Anfang des Jahrhunderts läuteten die Gebrüder Wright das Zeitalter der Motorluftfahrt ein und die Welle der Begeisterung über diese neue Entwicklung erreichte auch Norddeutschland, wo Graf Moltke 1908 den Nordmark-Verein für Motorluftfahrt gründete. Als Moltke 1912 seinen „Nordmarkflug“ veranstaltete und die Teilnehmer in Heide auf der Rennbahn zwischenlandeten, war sicher der ein oder andere Urgroßvater unserer heutigen Mitglieder in der begeisterten Zuschauermenge dabei. Vielleicht setzten deren Söhne die elterliche Begeisterung für das Fliegen in den zwanziger und dreißiger Jahren als Segelflieger am Klev auf dem Gut Friedrichshof fort.


Georg Off erklärt einen Startablauf Einer von ihnen war sicher Georg Off aus Heide, der mit Leib und Seele Segelflieger und Fluglehrer war. So kann es nicht verwundern, dass sich bald nach dem Zweiten Weltkrieg, als die eigene Existenz gesichert und das „normale“ Leben einigermaßen wieder hergestellt war, eine Gruppe von begeisterten Fliegern und Fluginteressierten u.a. auch um Georg Off zusammentaten, um ihren Traum vom Fliegen verwirklichen zu können.

Unter den gegebenen Umständen im Jahr 1950 erschien dies zunächst aussichtslos, denn die Fliegerei war in Deutschland verboten. In der Annahme, dass sich mit den Jahren etwas ändern würde, gründeten 17 hoffnungsfrohe Männer in Heide den „Sparclub Meise“. Das Sparen und Geld sammeln war zunächst das Wichtigste, denn alles Fluggerät und die Bauwerke, die es auf dem Hopen während des Dritten Reiches gegeben hatte, waren zerstört. Um sich aber auch schon mit der Materie Flugzeug zu beschäftigen, wurde, wie überall, mit dem Modellflugzeugbau begonnen. Der erste Modellflugtag wurde schon 1951 in Hopen ausgerichtet.

Das war auch das Jahr in dem die Mitgliederversammlung der Umbennung in Dithmarscher Luftsportverein e.V. zustimmte. Im Dithmarscher Luftsportverein (DLV) zusammengefasst waren die Aero-Clubs Heide, Marne, Meldorf, Brunsbüttelkoog und Wesselburen. Diese „Untergruppen“ hatte man bereits bei Gründung des Sparclubs Meise gebildet, denn aufgrund miserabler Verkehrsverhältnisse und wenig verfügbarer Autos, konnten die Mitglieder schlecht alle an nur einem Ort zusammenkommen

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Wir fliegen wieder !

Die Hoffnungen der Männer erfüllten sich und schon im Frühjahr 1951 wurde wenigstens der Segelflug von den Alliierten wieder freigegeben, der Motorflug folgte erst 1955. Weil man im DLV schon frühzeitig mit dem Sparen angefangen hatte, war es möglich, Ende 1952 den ersten Schulgleiter zu bestellen. Der SG 38 wurde bei Peter Mangelsen in Keitum bestellt und im Sommer 1952 konnte es dann endlich wieder richtig losgehen, denn Transportanhänger und Gummiseil waren auch schon angeschafft worden. Die ersten Starts mit der SG 38 macht Georg Off auf der Fichtenhainrennbahn in Heide, die offiziell als Flugfeld zugelassen war. Acht Jahre hatten die Segelflieger auf diesen Moment warten müssen und nun lachte es aus allen Augen: Wir fliegen wieder !

Am 13.10.1952 wurde der Schulbetrieb auf dem Hopener Fluggelände wieder eröffnet. Mittlerweile war die Mitgliederzahl auf etwa 150 gewachsen. SG 38 wird den Klevhang hinausgetragenDas war sehr wichtig, denn man braucht etwa 30 Leute, um mit dem Gummiseil am Hang zu fliegen : ein paar Leute zum Festhalten, ein paar Leute zum Seilspannen und ein paar Leute, die den Segler den Hang wieder hinauftrugen.
Bald merkte man aber, dass die altväterliche Art mit dem Gummiseil nicht mehr zeitgemäß war und begann in der Heider Werkstatt mit dem Bau einer Winde mit 1.500 m Seillänge, die dann 1953 auf dem zweiten Fluggelände des DLV bei Wennbüttel abgenommen wurde.

Winterarbeit in der Werkstatt
In der Winterzeit, wenn kein Flugbetrieb war, wurde in der Heider Werkstatt fleißig gebaut. Schließlich ist 1955 endlich das Gruner Baby fertig, dass bei seiner Taufe am 12.6.1955 den Namen „Törf Uhl“ bekommt, denn das Fluggelände in Wennbüttel befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Torffabrik und noch immer säumen einige Torfstapel die Startbahn.



Segler auf dem Strand von St. Peter-Ording Viele schöne Flüge machten die Flieger mit ihrem „Törf Uhl“ in Wennbüttel, in Hopen aber auch auf der Sandbank vor St. Peter-Ording und im Watt vor Büsum. Dort werden mit anderen Luftsportvereinen aus Schleswig-Holstein mehrere Jahre lang Fluglager und Flugtage veranstaltet.

Das Gelände in Hopen muss für den Einsatz der Winde erweitert werden, da die Startstrecke sonst zu kurz ist. Mit dem Bauern, der hinter der Schulwiese ein Weizenfeld hat, wird im Sommer 1956 vereinbart, dass ein etwa 20 m breiter Streifen, also die Spannweite eines Segelfllugzeuges, frei gelassen wird, um für Start und Landung genutzt werden zu können. Manchmal passierte es dann einem landenden Segler, dass ihm auf diesem Streifen ein Motorad entgegenkommt, denn die Bewohner der Baracken, die am heutigen Wasserwerk standen, benutzten auch schon mal gern diese Schneise, um schneller ins Dorf zu kommen. Schließlich gelingt es 1957 nach vielen Verhandlungen mit den Nachbarn und der Gemeinde, Ländereien zu tauschen, um nun über ein etwa 20 ha grosses Fluggelände verfügen zu können, welches auch für den Motorflug geeigenet ist, der ja seit 1955 wieder gestattet war. Damit wurde die Flugtägigkeit in Wennbüttel eingestellt und der weitere Ausbau in Hopen mit Errichtung einer Flugzeughalle konnte voranschreiten. 1958 ist es dem Verein möglich, das erste Hochleistungs-Segelflugzeug, einen gebrauchten A-Spatz, anzuschaffen. Nun können auch Rekord- und Streckenflüge untenommen werden. Auch ist nun endlich wieder eine Halle auf dem Fluggelände errichtet, die nicht nur zum Unterstellen des Fluggerätes dient, sondern auch als Flugleitung, Wetterschutz und Clubheim. Jetzt ist der DLV auf dem Hopen endlich wieder richtig zu Hause. Natürlich war auch der Flugtag im Büsumer Watt, der zusammen mit der Kurverwaltung Büsum seit 1955 durchgeführt wird, wieder ein voller Erfolg und Magnet für Publikum und Fliegerprominenz aus ganz Deutschland.

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Ein neues Zeitalter bricht an

Nachdem nun endlich Ende 1959 der Platz einen Telefonanschluss erhält, bekommt das bisherige Segelfluggelände am 1.März 1960 die Zulassung zum öffentlichen Landeplatz St. Michaelisdonn. Mit diesem Tag beginnt ein neues Zeitalter auf dem Flugplatz. Die „Fliegerschule St. Michaelisdonn“ unter Leitung von Gerd Hellinger öffnet ihre Pforten (später Westküstenflug). Auf Betreiben der Industrie- und Handelskammer Flensburg, Aussenstelle Heide, kommt es zur Gründung der Dithmarscher Flugplatz-Betriebsgesellschaft, an der neben dem Kreis Dithmarschen, der Gemeinde St. Michealisdonn, den Städten Marne und Meldorf auch der DLV Gesellschafter ist. Bei den Seglern musste der Schulgleiter nach mehreren Brüchen endgültig ausser Dienst gestellt werden und mit der Anschaffung eines Doppelsitzers wird auch im Bereich des Segelfluges in ein neues Zeitalter eingetreten.

Hans Peters, der Besitzer von Gardels Hotel in St. Michaelisdonn, errichtete die „Fliegerklause“ am Flugplatz, worin sich dann auch die Flugleitung etablierte. Feierabendbier vor der Fliegerklause Manch schöner Flugtag klingt aus bei einem gemeinsamen Umtrunk.
Im Zusammenwirken all dieser Aktivitäten nimmt der Flugbetrieb auf dem Donn einen gewaltigen Aufschwung, der bis in die 70-ziger Jahre anhält.

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Wechsel in der Vereinsführung

Der Tot von Georg Off im Mai 1961 bringt einen Wechsel in der Vereinsführung mit sich, doch auch der neue Vorstand treibt den Ausbau von Verein und Flugplatz weiter voran. So kann noch im selben Jahr eine neue Motorflugzeughalle eingeweiht werden und ein Jahr später wird die Werkstatt von Heide auf den Platz verlegt. Nun ist alles an einem Ort vereint. Vorbereitung auf die Seehundzählung Der Norddeutscher Rundfunk bringt eine Radioreportage aus dem Segelflugzeug und später das Fernsehen etwas über die Seehundzählungen, die seit einigen Jahren von St. Michel aus mit dem Flugzeug durchgeführt werden.
Mittlerweile lassen Fluggerät und fliegerisches Können der Segelflieger auch die Teilnahme an Segelflugmeisterschaften zu und 1966 wird der Hochleistungssegler K6 mit Sprechfunk und Sauerstoffanlage ausgerüstet, um den Mitgliedern weitere fliegerische Möglichkeiten zu eröffnen. 1967 ist es dann endlich für die Motorflieger soweit : der DLV kauft eine zweisitzige PA18 als Vereinsflugzeug. Die Zeit der Charter bei anderen Vereinen bzw. Luftfahrtunternehmen ist vorbei. Und schon 1971 kann anstelle der PA18 eine viersitzige Morane angeschafft werden. 1975 kann der DLV auf 25 Jahre harter Arbeit beim Auf- und Ausbau des Platzes sowie auf viele fliegerische Erfolge zurückblicken, wie die Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum eindrucksvoll schildert.

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Ruhigere Zeiten

Mit den 70-ziger Jahren bricht in Deutschland eine andere Zeit an. Für Jugendliche stehen vielfältige Freizeitmöglichkeiten zur Verfügung. Auch der DLV bekommt dies zu spüren. Die Mitgliederzahl, sonst immer über 100, fällt im Jahr 1976 auf 85. Nichtsdestotrotz wird 1977 nochmals ein grösseres Bauprojekt in Angriff genommen.

Das Clubheim entsteht.Clubheim Ein Ort an dem sich alle Mitglieder austauschen können.
Der Vorstand stellt fest, dass sich der Geist der Segelfliegerei verändert hat. Arbeitseinsatz und Zusammenhalt sind nicht mehr so stark wie in den Aufbaujahren und das Vorhandensein von gutem Fluggerät wird mehr als Selbstverständlichkeit genommen. Die nächsten Jahre bringen gute und weniger gute Wetterbedingungen für die Segler und die Dinge im Verein gehen ihren Gang. Die Winterzeit ist gefüllt mit Werkstattarbeit und Unterricht, im Sommer werden Fluglehrgänge, Ferienlager und Wettbewerbe durchgeführt. Eine Vielzahl von guten fliegerischen Leistungen werden in den Jahren von Vereinsmitgliedern erbracht. Auch die Zahl der weiblichen Mitglieder steigt und bald bilden Frauen im Verein keine Ausnahme mehr.

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Neuer Aufschwung

Der Motorflug entwickelt sich mehr und mehr in diesen Jahren, allerdings weitestgehend im Stillen, wenn man sich nur auf Zeitungsartikel aus dieser Zeit stützen kann, die über die Aktivitäten des DLV berichten. Einen neuen Aufschwung bringt Mitte der 80-ziger die Übernahme der Motorflugschule durch den DLV. Die Hartnäckigkeit eines Vereinsmitglieds, der sah, dass es in Dithmarschen nach Schließung von Westküstenflug unbedingt noch eine Motorflugschule geben müsse, erweichte schließlich den damaligen Vorstand, die Übernahme der Flugschulzulassung beim Land zu beantragen.

Auf die neue Cessna Die 1985 dann angeschaffte Cessna 150 hat seitdem schon viele Flugschüler sicher durch die Platzrunde gebracht und zum Wohle des Vereins beigetragen.

Im Zuge der Auflösung der Firma Westküstenflug wurden vom DLV auch die Werkstatt der zu Westküstenflug gehörenden Luftwerft und Teile der Maschinen übernommen, um der notwendigen Pflege der jetzt vorhandenen 3 Motorflugzeuge und 1 Motorsegler zu gewährleisten. Die 80-ziger Jahre bringen einen Anstieg der Mitgliederzahlen. Neben den Aktivitäten der Segelflieger, entdecken die Motorflieger, die ja immer als Individualisten gelten, das Gemeinschaftserlebnis und beginnen Mitte der 80-ziger Jahresausflüge zu organisieren. Monatstreffs, die auch der Fortbildung dienen, werden eingeführt. In den folgenden Jahren ist das Bestreben des Vereines immer zeitgemäße, gute Flugzeuge und Geräte für die Mitglieder zur Verfügung stellen zu können, so dass die Flugzeugparks im Segel- und Motorflugbereich auf einem leistungsfähigen Stand sind.

Segelfliegergruppe

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Vom Sparclub zum Flugplatzbesitzer

Den vorerst letzten großen Schritt in seiner Geschichte machte der DLV im Jahr 1997. Der Kreis Dithmarschen hatte beschlossen, die Flugplatzbetriebsgesellschaft aufzulösen und seine Anteile an den Dithmarscher Luftsportverein zu verkaufen. Da der Verein all die Jahre gut gewirtschaftet hatte und der Kassenwart immer wußte, wie man spart (schließlich gehörte er auch zur Gruppe der 17 Gründungsmitglieder), war es dem Verein mit seinen über 200 Mitgliedern möglich, diesen Schritt zu tun. Flugplatz St. Michaelisdonn

Ob sich die Herren vom Sparclub Meise wohl jemals haben träumen lassen, Flugplatzbesitzer zu werden ?

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Epilog

Seit dem Erwerb des Flugplatzes sind neben der Pflege der Flugzeuge nun auch die Erhaltungsarbeiten an Gebäuden und Landebahn wichtiger Bestandteil des Vereinsleben geworden. Dank großzügiger Sponsoren und der unermütlichen Mitarbeit der Mitglieder konnten u.a. in den letzten Jahren eine automatische Wetterstation mit Sprachausgabe installiert werden sowie Landebahn- und Gebäudesanierungen in Eigenleistung durchgeführt werden. Der jährlich ausgerichtete Flugtag lockt tausende Besucher auf den Hopen. Unsere Flugschule ermöglicht weiterhin Alt und Jung sich ihren Traum vom Fliegen zu erfüllen. Nachwievor sind Segelflieger des DLV nicht aus den Wettbewerbslisten wegzudenken und führen die Motorflieger ihren jährlichen Ausflug durch.


DLVler beim ersten Besuch in Danzig 1997
DLVler beim ersten Besuch in Danzig 1997

 

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